Zahnarzt, Zahnarztpraxis Frankfurt am Main

Keramik-Implantate

Die früher verwendeten reinen Keramik-Implantate zeichneten sich durch ein hervorragendes Einwachsen aus. Jedoch traten sehr häufig Brüche auf, da die Keramik spröde (höherer Elastizitätsmodul) ist und Alterungsprozessen unterliegt.
Knochen ermöglicht als biologisches Gewebe mehr oder weniger ausgeprägte Biegungen, die Keramiken nicht mitmachen. Daher hat man diese Materialgruppe weitgehend verlassen.

Zirconium(IV)-oxid

Wegen kosmetischer Probleme bei einer Rückbildung des Zahnfleisches und des Knochens wird Zirconium(IV)-oxid (ZrO2) (auch als Zirconiumdioxid oder mit dem Trivialnamen Zirkonoxid, umgangssprachlich fälschlich auch als „Zirkon“ bezeichnet) als Implantatmaterial verwendet.
Zirconium(IV)-oxid – – soll sich durch eine dem Titan vergleichbare Gewebsverträglichkeit auszeichnen.
Noch gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen zur Höhe des Ausdrehmomentes, einer Größe, die Aufschluss über den Osseointegrationsgrad des Implantatkörpers gibt.

Jüngere Erfahrungsberichte zeigen jedoch umfangreiche knochenauflösende Entzündungen und eine Verlustquote von über 50 % im 2-Jahreszeitraum. Diese Zahlen sind im Vergleich zur Verwendung von Titanimplantaten völlig inakzeptabel.
Der Grund liegt darin, dass der dem Titankristall innewohnende Mechanismus der reversiblen ionischen Einbindung des Knochencalciums bei Zirconium(IV)-oxid und anderen Keramiken fehlt. Diese Einbindung bei Titan ist bakteriendicht.

Die Keramikverträglichkeit bei der Knocheneinheilung soll durch Beschichtung der Implantate mit knochenverwandten Stoffen (künstlichem Knochenmineral, d. h. Hydroxylapatit) oder Calciumphosphat (TCP) verbessert werden. Die bisherigen Versuche zeigten bisher keinen Vorteil im Hinblick auf eine beschleunigte Osseointegration.
Im Gegenteil führte das Hydroxylapatit zu Einschmelzungen am Knochenlager mit folgendem Implantatverlust.
Auch Tricalziumphosphatbeschichtungen brachten bisher im Hinblick auf eine schnellere „Einheilung“ keine Vorteile gegenüber der reinen Titanoberfläche.
Letztlich gibt es jedoch bei der inzwischen festzustellenden Erfolgsquote von durchweg über 95 % der gängigsten Implantattypen ohne künstliche Mineral- oder Proteinauflagerung kaum noch etwas zu verbessern.
Die Ursachen der restlichen 3–4 % Verlust lassen sich wissenschaftlich nicht auf die Oberflächengestaltung oder die Form des Implantates zurückführen.

Konsensuskonferenz Implantologie

Die Konsensuskonferenz Implantologie, eine Kooperation von zwei Berufsverbänden (BDIZ, BDO), zwei wissenschaftlichen Fachgesellschaften (DGI, DGZI) und einem Verband, der sowohl Berufsverband als auch wissenschaftliche Fachgesellschaft (DGMKG) ist, hat die Indikationsklassen für Implantate festgelegt.
Die optimale Therapie des Zahnverlustes ist der Ersatz jedes einzelnen Zahnes durch ein Implantat.
Dabei ist der 8. Zahn eines Quadranten in der Regel nicht zu ersetzen und die Notwendigkeit des Ersatzes des 7. Zahnes individuell kritisch zu würdigen.
Da dieses Optimum aus verschiedensten Gründen (insbesondere anatomische, wirtschaftliche) nicht immer erreicht werden kann, sind die nachfolgenden Regelfallversorgungen aufgestellt.

Die Regelversorgung sieht folgende Indikationsklassen vor:

Klasse I: Einzelzahnersatz
Klasse II: Reduzierter Restzahnbestand
Klasse II a: Freiendsituation
Klasse III: Zahnloser Kiefer

Mögliche Komplikationen

Im Vordergrund der Komplikationen stehen alle Faktoren, die eine Infektion im Implantationsbereich begünstigen.
Zahnimplantate unterliegen der Gefahr einer Periimplantitis, einer Entzündung des Knochengewebes um das Zahnimplantat herum.
Die Periimplantitis führt zu einem Knochenabbau, der letztendlich den Ausfall des Implantats bewirkt.
Eine Zahnimplantation wird als Misserfolg gewertet, wenn das Implantat mobil ist oder einen periimplantären Gewebsschwund von mehr als 1 mm im ersten Jahr aufweist.
Eine Periimplantitis kann durch prophylaktische Maßnahmen zusammen mit einer Antibiotikatherapie behandelt werden. Eine Periimplantitis ist auf einer Röntgenaufnahme zu erkennen.

Diabetiker müssen gut eingestellt sein, damit die Gefahr der Entzündungsneigung an den Zähnen auf ein beherrschbares Maß reduziert wird.
Bei Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, ist nicht nur die Immunabwehr eingeschränkt, sondern auch die Regenerationsfähigkeit des Gewebes während der Einheilungsphase nach der Implantation.
Daher soll bei diesen Patienten die Beendigung der Chemotherapie abgewartet und erst einige Monate danach implantiert werden.
Bettlägerige Patienten können gegebenenfalls mit Implantaten versorgt werden, wenn der Eingriff stationär durchgeführt wird.
Eine therapierbare Parodontitis ist kein Ausschlusskriterium.
Das Risiko eines Misserfolges ist bei Rauchern erhöht. Ein Misserfolg kann aber auch dann auftreten, wenn das Implantat nicht richtig positioniert wurde.

Implantologie

Im Oberkiefer beträgt die Einheilzeit in den Kieferknochen mindestens vier, im Unterkiefer drei Monate.

Im vorderen Bereich des Unterkiefers kann man bei stabilen Verhältnissen die Wartezeit noch etwas reduzieren, im hinteren Bereich des Oberkiefers ist der Knochen dagegen sehr weich, sodass die Einheilzeit etwas länger dauert.
Deutliche Unterschiede gibt es in Abhängigkeit von der Lage und der Belastung des Zahnimplantates sowie dem Gesamtzustand des Patienten.
So läuft die Knochenheilung beim jungen Patienten schneller ab als beim älteren Patienten, im Besonderen bei Diabetikern.
In bestimmten Fällen können auch schneller einheilende Zahnimplantate mit Hilfe einer strukturierten Implantatoberfläche bzw. Anrauung verwendet werden, die eine Einheilzeit um einige Wochen verkürzen kann. Auch wenn die Einheilzeit dadurch verkürzt werden kann, besteht die Gefahr einer Bakterienbesiedlung, im Besonderen bei nicht optimaler Mundhygiene an den künstlich stark zerklüfteten Implantatoberflächen.











Interview "Neue Knochen gewinnen"

Mit Zahnimplantaten erhalten viele Menschen ihr Lächeln zurück, können wieder fest zubeißen und gut kauen. Voraussetzung für ein Zahnimplantat ist jedoch ein gesunder und ausreichend vorhandener Kieferknochen. Ist dies nicht der Fall, kann die moderne Zahnmedizin gezielt nachhelfen. Dr. Silke Liebrecht, Oberärztin im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Köln, schildert im Interview mit proDente welche Möglichkeiten es gibt.

Manchen Patienten fehlt genügend Kieferknochen für ein Implantat. Müssen sie darauf verzichten?

Nein. Wenn für eine Implantation nicht genügend Knochenhöhe und –breite zur Verfügung steht, um eine ausreichend lange und breite Implantatschraube verankern zu können, kann beispielsweise mit Hilfe der Augmentation neuer Knochen in der Region gewonnen werden. Positiv daran ist, dass mit dieser Methode eine Implantatverankerung auch bei wenig Knochenangebot möglich geworden ist. Kritisch ist, dass dies mit einem größeren chirurgischen Aufwand verbunden ist, der natürlich zum einen mehr Operationsrisiken in sich birgt, zum anderen aber auch mit mehr Kosten verbunden ist.

Die moderne Zahnmedizin verwendet neben eigenem Knochenmaterial vom Patienten künstliches Knochenersatzmaterial oder gar gezüchtete Knochen zum Kieferaufbau. Was kann man sich darunter vorstellen?

Es sind inzwischen zahlreiche Knochenersatzmaterialien entwickelt worden. Das Knochenersatzmaterial wird dabei aus Tierknochen, Korallen und Algen gewonnen oder synthetisch hergestellt. Es dient als Stützmaterial und wird zusätzlich mit speziellen Folien oder Membranen abgedeckt. Die Knochenneubildung geht vom körpereigenen Restknochen aus. Da Knochen die Fähigkeit zur Regeneration und Neubildung haben, heilen diese Defekte knöchern aus. Es gibt inzwischen auch erste Versuche körpereigenen Knochen außerhalb des Körpers zu züchten. Allerdings sind diese Methoden noch nicht hinreichend klinisch nachuntersucht worden.

Was ist der Unterschied zwischen ‚Augmentation’ und ‚Sinuslift’?

Beide Methoden dienen der Knochengewinnung für eine Implantation. Bei der Augmentation wird Knochen (vom Patienten) oder Knochenersatzmaterial auf den Kieferkamm in der zu implantierenden Region aufgelagert. Bei größeren Mengen wird dies häufig mit patienteneigenem Knochen z.B. aus dem Kinn oder auch Beckenkamm durchgeführt. Nach einer Heilungszeit von bis zu ca. 6 Monaten wird anschließend implantiert. Bei kleineren Defekten kann die Augmentation zusammen mit der Implantation erfolgen.

Der Sinuslift ist eine Methode der Augmentation, der nur im Oberkiefer im Bereich der Kieferhöhle zum Einsatz kommt. Bei stark ausgewölbten Kieferhöhlen ist meist nicht genügend eigener Knochen vorhanden, um das Implantat fest darin zu verankern. Um hier Knochen zu gewinnen, wird die Kieferhöhlenschleimhaut von der knöchernen Kieferhöhlenwand über einen seitlichen Zugang gelöst und der Zwischenraum mit eigenem Knochen oder Knochenersatzmaterial aufgefüllt. Der so gewonnene Knochen dient der zusätzlichen Implantatverankerung.

Wieviel Zeit liegt zwischen der Einheilung des Knochenersatzmaterials und dem Setzen des Implantates?

Die Einheilungszeit des Knochenersatzmaterials hängt u.a. von der Größe des Knochendefektes und der Struktur des eingesetzten Füllmateriales ab. Sie kann bis zu sechs Monate dauern. Dagegen ist es bei kleinen Knochendefekten möglich, das Knochenersatzmaterial zusammen mit dem Implantat einzubringen, so dass hier keine zusätzliche Einheilungszeit erforderlich ist.

Ist der Patient in der Zwischenzeit ohne prothetische Versorgung?

Nein. In der Zwischenzeit kann der Patient beispielsweise mit einer provisorischen Brücke oder Prothese versorgt werden. Der aufgebaute Kieferkamm soll allerdings während der Einheilungszeit möglichst wenig belastet werden, um eine optimale Knochenregeneration zu erzielen. Aus diesem Grund müssen vor allem Prothesen in der Einheilungszeit gut kontrolliert werden.

Ist eine Sofortimplantation möglich, wenn ein Knochenaufbau erfolgen muss?

Bei kleinen Knochendefekten kann die Sofortimplantation zusammen mit der Augmentation durchgeführt werden. Dabei ist es wichtig, dass das Implantat ausreichend stabil im Knochen verankert werden kann (Primärstabilität). Fehlt das Knochenangebot vor allem in der Höhe, muss auf die Sofortimplantation verzichtet und zunächst Knochen aufgebaut werden.

Hält ein aufgebauter Kieferknochen für die Ewigkeit?

Das hängt von dem verwendeten Knochenersatzmaterial und der Größe des Defektes ab. Klinische Studien konnten aber zeigen, dass beispielsweise der neu gebildete Knochen bei der Verwendung von patienteneigenem Knochen in Kombination mit Knochenersatzmaterial auch langfristig stabil war und mit dem nichtaufgebauten Knochen bei Implantaten zu vergleichen war.

Müssen aufgebaute Kiefer und implantierte Zähne besonders gepflegt werden?

Die Mundhygiene entspricht den Anforderungen eines natürlichen Zahnes, das heißt die Implantate sind mit Zahnbürste und Interdentalbürste zu reinigen. Etwas schwieriger erweist sich oft die Reinigung implantatgetragener Stegprothesen, da die Implantatoberfläche auch unter dem Steg gut gesäubert werden muss. Bei den regelmäßigen Implantatkontrollen hat der Zahnarzt natürlich ein besonderes Augenmerk auf die Mundhygiene. Sollte diese nicht perfekt sein, wird der Patient von seinem Zahnarzt erneut unterwiesen.